Kroatien begeht Neuland bei Agrokor-Pleite – PWC bestätigt Unregelmäßigkeiten

Neue Hiobsbotschaft für Agrokor: Das Kapital der Gruppe wurde nach einer Revision von PricewaterhouseCoopers (PWC) um insgesamt knapp drei Milliarden Euro herabgestuft. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, musste der Lebensmittelkonzern 2016 einen Netto-Verlust von mehr als 1,4 Milliarden Euro (11 Milliarden Kuna) hinnehmen. Schon im Jahr zuvor verlor das Unternehmen knapp 480 Millionen Euro, wie der Audit-Bericht von PWC jetzt zeigt. Allerdings hatte das ehemalige Management von Agrokor für 2015 einen Gewinn von etwa 160 Millionen Euro angegeben. PWC bestätigte, dass diese Unregelmäßigkeiten möglicherweise auf „potenzielle illegale Taten“ zurückzuführen seien. (https://reut.rs/2yAcYOC)

Anfang 2017 geriet der größte Lebensmittelhändler der Balkanstaaten in Schwierigkeiten, auch weil die russische Bank Sberbank auf eine vorgezogene Rückzahlung eines Kredits beharrte. Die kroatische Regierung setzte daraufhin ein umstrittenes Gesetz ein („Lex Agrokor“), um die Insolvenz des angeschlagenen Unternehmens zu verhindern. „Banken dürfen nach EU-Recht vor der Pleite geschützt werden, wenn sie als systemrelevant gelten. Doch wo soll das enden, wenn Staaten jetzt auch anfangen, Unternehmen zu schützen, wie im Falle von Air Berlin oder Agrokor“, sagt der Insolvenz-Experte Timur Peters von Debitos. Der staatliche Eingriff durch die kroatische Regierung würde Agrokor laut Peters einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern verschaffen.

Das Gesetz Lex Agrokor bietet Unternehmen ab einer Größe von 5.000 Mitarbeitern und mit mehr als einer Milliarde Euro Schulden einen Schutzschirm. Fällige Zahlungen werden für 12 Monate ausgesetzt und ein von der Regierung eingesetzter Kommissar übernimmt die Führung der Geschäfte. Oberstes Ziel des Gesetzes ist die Rettung von Arbeitsplätzen. Das Unternehmen Agrokor ist der größte Arbeitgeber der Balkanstaaten mit aktuell etwa 60.000 Mitarbeitern.



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