Gelddruckstrategie der EZB löst kein Problem

Die beiden Buchautoren und Ökonomen Marc Friedrich und Matthias Weik hadern mit dem Staatsanleihekauf der Europäischen Zentralbank (EZB). Konkret äußern sie erhebliche Zweifel an den Outright Monetary Transactions (OMT) und befürchten die Abschaffung des freien Marktes zugunsten einer durch die Notenbanken betriebenen Planwirtschaft. So werden die 1.140 Milliarden Euro, die von der EZB nun in dem Markt gepumpt werden, lediglich den Banken und Krisenländern einen Zeitaufschub zu gewähren – und setzen damit genau die falschen Anreize, denn Reformen werden dadurch weniger dringend. Statt der gewünschten Ankurbelung der Kreditvergabe zur Stärkung der Konjunktur und einer Inflation um den Zielwert von zwei Prozent finden eine Enteignung der Sparer sowie die Förderung von Preisblasen an Aktien- und Immobilienmärkten statt. Gleichzeitig wird die grundsätzlich politisch gewollte private Altersvorsorge ad absurdum geführt. Die beiden Ökonomen warnen daher ganz klar: „Dieses Notenbankexperiment der EZB wird nicht funktionieren und wird in einem Fiasko enden.“

Historie zeigt: Geldflut und Planwirtschaft gewinnen nie
Niemals wurden wirtschaftliche Probleme mit Gelddrucken gelöst. In keinem Land der Welt hat eine Planwirtschaft zu mehr Wohlstand für alle geführt. Leider jedoch wird der Kurs einer EZB, bei der alle Mitgliedsländer exakt eine Stimme haben, von der Mehrzahl regiert – und das sind die Krisenländer. In Anbetracht der Tatsache, dass Deutschland bei Missglücken dieses Experiments deutlich mehr haftet, wäre hier eine Änderung überlegenswert. Eine Gewichtung der Einflussnahme bei EZB-Entscheidungen nach der maximalen Haftungssumme des jeweiligen Landes beispielsweise wäre deutlich fairer, entspräche allerdings einer Art Klassenwahlrechts, die wir bereits vor langer Zeit abgeschafft haben. Gleichzeitig scheinen die Regierungen aller Länder und der EZB bereits vergessen zu haben, dass die Finanzkrise von 2008 durch zuviel Geld im Markt und daraus resultierenden Übertreibungen entstand. Entsprechend sind Marc Friedrich und Matthias Weik (zu recht) aufgebracht ob der jüngsten Entscheidung der EZB: „Wieder sind die Notenbanken Brandstifter, um sich dann als Feuerwehr aufzuspielen und die selbst entfachten Brände mit Billionen an Euro zu löschen für die jeder Europäer seit September 2012 haftet. […] Das billige Geld der Notenbanken ist wie eine harte, schwer abhängig machende Droge. Offensichtlich können wir nicht mehr ohne sie leben – mit allen Konsequenzen und verheerenden Kollateralschäden.“

Der Blick in alte Lexika öffnet manchmal die Augen
Wir von Debitos beobachten diese Entwicklung zwiegespalten. Während das EZB-System den Anreiz zur Maximalverschuldung setzt, sind wir grundsätzlich Anhänger des von unseren Großeltern unter widrigsten Umständen zusammengesparten und uns als entsprechend wertvoll vorgestellten „Notgroschens“.  Darüber hinaus haben wir an dieser Stelle bereits am 14. März 2012 aus dem achten Band des Meyers Konversationslexikons von 1904 (!) zitiert. Unter dem Stichwort „Finanzen in Griechenland“ steht hier auf Seite 310 ein bemerkenswerter Artikel, der weder in den vergangenen drei Jahren noch in den 111 Jahren zuvor an Aktualität eingebüßt hat:

„Die griechischen Finanzen befanden sich stets in einem bedenklichen Chaos, dessen Ordnung nie gelungen ist und das … durch die Unfähigkeit der meisten Finanzminister zum Staatsbankrott führte. Nachdem die Staatsschuld … gestiegen war, setzte die Regierung mehrere Jahre lang in willkürlicher Weise die Zinsen der auswärtigen Anleihen auf ein Drittel des ursprünglichen Betrages herab. Als die Finanzen … sich noch mehr verschlechterten, wurde dem Finanzminister eine aus je einem Vertreter der sechs europäischen Großmächte bestehende internationale Finanzkontrolle mit dem Sitz in Athen beigegeben. Seit Einführung der Kontrolle ist eine Besserung der Finanzen zu bemerken…“

Wir hoffen, dass sich die Geschichte auch im Hinblick auf die Besserung der Finanzen wiederholt. Das griechische Wahlergebnis vom gestrigen Sonntag lässt jedoch die Zweifel überwiegen.



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