Nach dem Schuldenschnitt Griechenlands: was nun?

Wohin geht die finanzielle Reise in Griechenland? Diese Frage stellen sich dieser Tage neben dem IWF und der Europäischen Union natürlich auch die Griechen selbst. Die privaten Gläubiger wissen noch nicht recht, wohin der Weg des Schuldenschnitts sie führen wird. Fest steht: Die erste Etappe, der Tausch von Anleihen, haben 85,8% der Privatgläubiger eher unfreiwillig genommen. Da jedoch die angestrebte Zustimmung zur Umschuldung von 90 Prozent der privaten Investoren nicht erreicht wurde, will die griechische Interimsregierung den restlichen, renitenten Gläubigern die Entscheidung über den Verzicht per Zwangsklausel „erleichtern“.

Schuldenschnitt resultiert in Kreditereignis 
An den Finanzmärkten sind Kreditereignisse nach Definition des Internationalen Derivateverbandes Isda Großereignisse, die entsprechende Schatten vorauswerfen. So wertete dieser den Schuldenschnitt für Griechenland als einen Zahlungsausfall, der eben ein solches Kreditereignis auslöst, worauf sämtliche Kreditversicherungen auf griechische Anleihen (Credit Default Swaps/CDS) fällig wurden. Befürchtungen, dass dies ähnliche Verwerfungen am Finanzmarkt auslösen könnte wie die Lehman-Pleite von 2008, bestätigten sich bisher nicht. Vielmehr geht sogar die Bundesbank davon aus, dass das Auslösen der CDS-Kontrakte (Nettobelastung: 2,6 Milliarden Euro) auch seine Vorteile für die Finanzstabilität habe. Dem stimmt auch die Ratingagentur Fitch zu und stuft Griechenland heute auf „B-„ mit stabilem Ausblick herauf.

In Etappen zur Pleite?
Die Ratingagentur Moody’s indes sieht den Schuldenschnitt eher als eine Art Vertagung der endgültigen Pleite. Denn auch wenn der Anleihentausch die Unsicherheit an den Märkten hinsichtlich europäischer Schuldverschreibungen kurzfristig reduziert habe, sei es auf lange Sicht unwahrscheinlich, dass Athen sein Haushaltsdefizit auf 120% der Wirtschaftsleistung drosseln und das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen könne. Auch der eigentliche Anleihentausch scheint damit nur schwer ein Ausweg aus der Schuldenspirale zu sein. Hatten die Griechen nämlich anfangs darauf spekuliert, Schulden zu reduzieren, indem die Anleger ihre aktuellen Anleihen gegen alte Schuldverschreibungen mit sehr hohen Zinsen tauschen, erreichten die neuen Anleihen gleich bei der Ausgabe ähnlich schwindelerregende Risikoaufschläge. Fazit: Auch die neuen Schuldscheine werden Athen in den nächsten 10-15 Jahren viel Geld kosten. Damit scheint lediglich ein Aufschub der Pleite gewonnen.

Finanzen in Griechenland: Wiederholung der Geschichte?
Auch an den Finanzmärkten lassen sich Lehren aus der Geschichte ziehen. Daher möchten wir von Debitos diesen Artikel mit einem hoffentlich zum Nachdenken anregenden Beitrag zum Thema „Finanzen in Griechenland“ aus dem achten Band des Meyers Konversationslexikons von 1904(!), Seite 310 abschließen:
„Die griechischen Finanzen befanden sich stets in einem bedenklichen Chaos, dessen Ordnung nie gelungen ist und das … durch die Unfähigkeit der meisten Finanzminister zum Staatsbankrott führte. Nachdem die Staatsschuld … gestiegen war, setzte die Regierung mehrere Jahre lang in willkürlicher Weise die Zinsen der auswärtigen Anleihen auf ein Drittel des ursprünglichen Betrages herab. Als die Finanzen … sich noch mehr verschlechterten, wurde dem Finanzminister eine aus je einem Vertreter der sechs europäischen Großmächte bestehende internationale Finanzkontrolle mit dem Sitz in Athen beigegeben.
Seit Einführung der Kontrolle ist eine Besserung der Finanzen zu bemerken…“



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