Bestimmen die mächtigen Ratingagenturen Europas Kurs?

Im Kontext der Schuldenkrise kommt den Ratingagenturen – die größten und bekanntesten sind Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch – eine wichtige Rolle zu. Ihr Tagesgeschäft besteht darin, die Kreditwürdigkeit (Bonität) von Unternehmen und Staaten einzuschätzen und den Akteuren des Finanzmarktes die Ergebnisse anhand eines Ratings zu präsentieren. Da Risiko mit der von Investoren erwarteten Rendite korreliert bedeutet dies, dass ein schlechteres Rating die Zinsen und somit die Fremdkapitalkosten steigen lässt: die Aufnahme von Fremdkapital wird für das Unternehmen oder den Staat also teurer. Kein Wunder, dass viele Regierungschefs und ihre Finanzminister vor dem abgesenkten oder nach oben zeigenden Daumen der Ratingagenturen zittern. Kommt es dann zu dem befürchteten Downgrade, so können sich Staatsoberhäupter immerhin noch in die Ausrede flüchten, dass die Herabstufung nicht gerechtfertigt sei.

Politische Reaktionen in Europa
Zahlreiche europäische Staatschefs beklagen sich über drohende Bonitätsverluste, erhöhen aber gleichzeitig kontinuierlich die Schuldenlast. Und die haben am Ende die Bürger zu tragen. Daher wird mit der politisch-symbolischen Faust auf den Verhandlungstisch in Brüssel geschlagen. Jüngst konnte man dies am 9.Dezember beobachten, als die EU-Regierungschefs ein weiteres Mal um Einigkeit rangen. Es ging vor allem darum, mit vereinten Kräften den sogenannten „Marktspekulationen“ entgegentreten zu können. Dabei wird dies oft genutzte Wort nicht definiert oder hinterfragt. Wer ist denn überhaupt ein „Marktspekulant“? Das Unternehmen, das seine Währungsrisiken und Rohstoffkosten absichert? Die Rentnerin, die in der Hoffnung ihr Einkommen aufzubessern ein paar Aktien kauft? Am Ende des Tages ist egal, wer denn nun ein Spekulant ist, solange ihnen nur Einhalt geboten wird. Zu diesem Zweck wurden in bekanntem politischem Aktionismus unter anderem folgende Entschlüsse gefasst:

  • eine weitere Verschärfung der Haushaltskontrolle in der Eurozone
  • die Überwachung der nationalen Haushalte
  • eine Art Schuldenbremse für alle Haushalte der EU-Staaten
  • das Vorziehen des permanenten Rettungsmechanismus ESM um ein Jahr auf 2012

Großbritannien bleibt eine Insel
Bei der Entstehung der neuen Fiskal- (und Transfer-)Union wollen die Briten jedoch weder Geburtshelfer spielen noch selbst im Kreissaal anwesend sein. Sie verabschiedeten sich und brachten damit auch die restlichen EU-Mitgliedsstaaten in Bedrängnis. Schließlich wollte man in Brüssel beschließen, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) insgesamt 200 Milliarden Euro an Kreditsumme zur Verfügung zu stellen, damit dieser notleidende Staaten mit günstigen Krediten unterstützen könne: 150 Milliarden Euro sollten die Länder der Eurozone beisteuern, während von den EU-Mitgliedsstaaten außerhalb der Währungsunion, allen voran Großbritannien, weitere 50 Milliarden Euro fließen sollten. Vorangegangene Spekulationen um das „No!“ aus London waren Auslöser dafür, dass die Ratingagenturen Fitch und Moody’s begannen, dem Krisenmechanismus der EU zu misstrauen und unter anderem Herabstufungen für Italien, Spanien, Belgien, Slowenien, Irland und Zypern den nächsten drei Monaten in Aussicht stellten bzw. Belgiens Rating um zwei Stufen senkten.

Auch Paris bAAAngt
Da schließlich auch Frankreich der Verlust des AAA-Ratings droht, reagiert Paris mit der Ankündigung, im neuen Jahr €178 Milliarden an zusätzlichen Schulden aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Damokles-Schwert, das in Gestalt einer Herabstufung auch über Berlin pendelt, wäre der Verlust des AAA  Deutschlands und Frankreichs auch schwerwiegend für die Bonität des EU-Rettungsfonds EFSF. Denn auch dieser würde dann seine Bestnote verlieren, hängt dessen Bonität und damit auch dessen Kreditvolumen von 440 Milliarden von der Kreditwürdigkeit der beiden größten Volkswirtschaften Europas ab. Derweil erhielt auch Großbritannien eine Warnung vor Herabstufung durch die Ratingagentur Moody’s: obwohl das Vereinigte Königreich nicht Teil der Eurozone ist, bleibt das Land doch in den Rettungsprozess des Euro involviert. Bei den vielen politischen Versprechen der Vergangenheit im Zusammenhang mit diversen Euro-Rettungsschirmen bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass sich der eine oder andere  Politiker eines Tages vielleicht wieder an ein altes Sprichwort erinnert: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“

 



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