Steigt das Risiko einer Rezession?

Der Hauptgrund für den Verfall der Aktienkurse in den letzten Wochen ist die Angst vor einer Rezession vor allem in Amerika, vielleicht aber auch in Europa.

Richtig ist, dass sich das Wachstum sowohl in den USA als auch in Europa zuletzt deutlich verlangsamt hat. Der Aufschwung ist zu Ende, jetzt kommt die Phase der Normalität. Am stärksten brach in den vergangenen Wochen der „Philly-Fed-Index“ ein. Er hat fast schon wieder das Tief von 2009 erreicht. Dennoch bezieht er sich nur auf die Region Philadelphia an der amerikanischen Ostküste. Der Index des Institute of Supply Management, der die gesamte US-Wirtschaft betrifft, sieht lange nicht so ungünstig aus. Die zur Lagebeurteilung wichtigen Aufträge für langlebige Güter in den USA sind diese Woche sogar überraschend stark gestiegen.
Das Bild der Indikatoren ist also eher gemischt.

Zweitens sind Unternehmer und Verbraucher über die mangelnde Handlungsfähigkeit der Politik in der Schuldenkrise verunsichert. Andererseits sind die für die Konjunktur so wichtigen Gewinne der Firmen, vor allem die Gewinnmargen, nach wie vor gut.
Unternehmen und Verbraucher führen ihre Verschuldung zurück.

Drittens laufen zum Jahresende steuerliche Vergünstigungen aus (payroll tax, Abschreibungserleichterungen, verlängerte Arbeitslosenunterstützung). Das bremst die Inlandsnachfrage. Dem steht aber das anhaltende Wachstum der Schwellenländer gegenüber. Es wird nicht so schnell abbrechen. Die US-Exporte von Gütern und Diensten nehmen derzeit um 16 Prozent zu.

Die Grafik zeigt die Rezessionen in den USA in den letzten 70 Jahren (jeweils die grau schraffierten Balken). Von einem Konjunkturtief zum anderen dauerte es im Schnitt fünf Jahre. Wenn sich das so fortsetzen würde, wäre die nächste Rezession erst im Sommer 2014 zu erwarten. Berücksichtigt man, dass die Länge der Zyklen in den letzten zwei Jahrzehnten spürbar zugenommen hat, dürfte das nächste Tief sogar erst 2017 kommen. Bis dahin ist noch einige Zeit.

Abb.: Reales Bruttoinlandsprodukt der USA (Quelle: Federal Reserve Bank, St. Louis)

Die USA hatten ein Tief im ersten Quartal dieses Jahres. Im zweiten ging es schon wieder leicht nach oben.
Das wird sich so wie es aussieht im dritten Quartal fortsetzen. Deutschland hatte ein Tief im zweiten Quartal. Das dritte Quartal dürfte wieder etwas besser werden. Bei einer solchen „W“-förmigen Bewegung kann es natürlich passieren, dass ein oder zwei Quartale mal hinter das Vorquartal zurückfallen, es also „negatives Wachstum“ gibt. Der Volkswirt bezeichnet das als technische Rezession. Tatsächlich ist es jedoch eher ein Ausrutscher. „Gefühlt“ stehen weder die USA, noch Europa, noch die Weltwirtschaft insgesamt vor einem Einbruch.

Trotzdem kann man nicht ganz Entwarnung geben.
Bei Bonds, bei Gold, bisher auch bei Aktien gibt es liquiditätsbedingte Preissteigerungen. Wenn diese Blasen so zusammenbrechen – vielleicht auch noch gleichzeitig – wie die Aktienmärkte in den letzten Wochen und wenn das über längere Zeit anhält, dann kann das realwirtschaftliche Auswirkungen haben.

Quelle:
http://www.risknet.de/risknews/steigt-das-risiko-einer-rezession/40871b03e355aa707f3f61e8327ea454/



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