SPORT & WIRTSCHAFT – Der verschuldete Fußball

Der Streik im spanischen Fußball offenbart die Schattenseiten des fußballerischen Turbokapitalismus: Spieler erhalten teilweise keine Gehälter mehr, weil die Klubs hoch verschuldet sind. Es droht der Kollaps.

Weltmeister sind sie, Europameister auch, Champions League-Sieger sowieso und die drei weltbesten Fußballer des Jahres 2010 Messi, Iniesta und Xavi spielen natürlich auch hier: in Spanien, dem derzeit dominanten und so stolzen Fußballland. Doch die Erfolge des spanischen Fußballs scheinen in diesen Tagen ihren Glanz etwas verloren zu haben. Denn angesichts der gewaltigen Schulden-Zahlen wirkt der spanische Fußball wie eine gigantische Seifenblase: Groß, schön, bunt – aber kurz vor dem Platzen.

50 Millionen Euro an Gehältern schulden die Klubs rund 200 Spielern und die sind daher in den Streik getreten. Der erste Spieltag fiel bereits aus, der zweite steht kurz vor der Absage. Zwar handelt es sich bei den Geprellten meist um gut bezahlte Profis, doch auch für die haben ausgefallene Gehaltszahlungen Folgen. „Bei uns mussten einige Spieler ihre Autos verkaufen, um über die Runden zu kommen. Andere haben kein Geld fürs Benzin“, sagte David Aganzo, der für Rayo Vallecano stürmt, einem Verein, der Insolvenz anmelden musste. Probleme, wie sie auch Gerhard Poschner kennt. Der ehemalige Bundesligaprofi war elf Monate lang Geschäftsführer bei Real Saragossa. Dann kündigte er, weil er die Geschäftsgebaren des Klubs nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte.

Das Schulden-System des spanischen Fußballs funktioniert in etwa so: Teure Spieler werden gekauft, hohe Gehälter gezahlt, die insgesamt die Einnahmen aus Sponsoren-, Ablöse- und TV-Verträgen weit überschreiten. Was dann geschieht, klingt für jeden Fan schmerzhaft: Der Verein muss Insolvenz anmelden. In der Bundesliga würde dies auch einen Zwangsabstieg bedeuten, in Spanien nicht unbedingt. Denn spanische Fußballvereine können die Zwangsversetzung vermeiden, wenn sie 50 Prozent der Schulden zahlen. Mit anderen Worten: Man verschuldet sich munter, zahlt am Ende die Hälfte davon und ist seine Sorgen los. 21 Vereine der 1. und 2. spanischen Liga meldeten in den vergangenen Jahren Konkurs an und machten ihren profitablen Schuldenschnitt.

Die Probleme des spanischen Fußballs sind auch struktureller Natur: Die „Großen“ Real Madrid und FC Barcelona profitieren unverhältnismäßig stark im Vergleich zu den kleineren Klubs. Ein Beispiel: In der Saison 2009/2010 nahmen die spanischen Klubs insgesamt 600 Millionen Euro aus dem Verkauf der TV-Rechte ein. Eine stolze Summe, von der aber mehr als die Hälfte an den FC Barcelona (158 Mio. Euro) und Real Madrid (136 Mio. Euro) ging. Den Rest mussten sich die 40 anderen Klubs der ersten und zweiten Liga teilen.

Die beinahe hoffnungslose Überschuldung des spanischen Fußballs hätte verhindert werden können – durch ein Lizenzierungssystem, das diesen Namen auch verdient. In Deutschland gilt die strenge Lizenzierungsordnung der Deutschen Fußball Liga (DFL), die finanzielle Eskapaden der Vereine wirkungsvoll verhindert. Zwar drücken vor allem den FC Schalke 04 hohe Schulden, doch der Rahmen der DFL ist deutlich enger für verschuldete Vereine. Nach deutschen Richtlinien würden die meisten spanischen aber auch englischen Fußballklubs keine Profilizenz erhalten.
Nun mehren sich die Stimmen wie die des Ökonomen Juan Francisco Corona, die ein Eingreifen des europäischen Verbandes UEFA fordern: „Die spanischen Instanzen sind nicht bereit, Sanktionen gegen überschuldete Vereine zu verhängen. Die Lösung muss von der UEFA kommen.“ UEFA-Präsident Michel Platini hat bereits ein Konzept vorgestellt, das allerdings noch keine Anwendung findet. „Financial Fair Play“ soll aber ab 2012 greifen und könnte den europäischen Fußball revolutionieren.

Quelle:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,,15340055,00.html



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